20. Juli 2022

Strompreisentwicklung in Deutschland: Das musst du wissen

Wir geben dir einen Überblick über die Strompreisentwicklung in Deutschland und eine Prognose, wie sich der Strompreis weiter entwickeln wird.

mann am schreibtisch mit münzen und glühbirne

Ein Beitrag von

Annika

annika fiedler

Strom ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wir brauchen ihn, um unser Lieblingsgericht auf dem Herd zu kochen und um das Feierabendbier kalt zu stellen. Wir benötigen Strom für unser Smartphone, um mit unseren Liebsten in Kontakt zu bleiben und die meisten von uns brauchen ihn sogar zum Arbeiten. Ohne Strom würde unsere moderne Gesellschaft nicht funktionieren.

Umso genauer gucken wir auf die aktuelle Entwicklung des Strompreises in Deutschland für das Jahr 2022. Schon seit Monaten steigen die Kosten für Strom und noch ist kein Ende in Sicht. Wir haben uns das einmal genauer angeschaut und erklären in diesem Blogbeitrag, wieso die Preise für Strom steigen und wie sich der Preis in den letzten Jahren entwickelt hat. Außerdem geben wir eine Prognose ab, wie sich der Strompreis in Zukunft entwickeln wird.

Wie hoch ist der Strompreis aktuell?

Die Preise für Strom steigen momentan immer weiter an und du hast dich gefragt, wie viel eine Kilowattstunde Strom 2022 eigentlich kostet? Bitte beachte dabei, dass es sich bei unseren Angaben nur um Durchschnittswerte handelt. Du bist schon länger Kunde bei deinem aktuellen Stromanbieter? Dann zahlst du vermutlich etwas weniger. Falls du jetzt einen neuen Tarif abschließen möchtest, kann das momentan bei einigen Anbietern schnell teuer werden.

Wenn wir die Entwicklung des Strompreises für eine Kilowattstunde als Kurve sehen, so zeigt sie aktuell steil nach oben. Zahlten Verbraucher 2021 noch durchschnittlich 31,8 Cent pro Kilowattstunde, waren es im ersten Halbjahr 2022 schon ganze 37,1 Cent. Wer jetzt einen neuen Stromvertrag abschließen möchte, muss zum Teil einen Arbeitspreis von über 50 Cent pro Kilowattstunde zahlen.

Eine gute Nachricht gibt es aber: Seit dem 1. Juli 2022 ist die EEG-Umlage weggefallen. Das bedeutet eine Entlastung von 4,4 Cent brutto pro Kilowattstunde, denn die Stromanbieter geben diese Ersparnis an ihre Kunden weiter.

Ursprünglich sollte die „Ökostrom-Umlage“ erst Anfang 2023 abgeschafft werden, doch die Bundesregierung hat beschlossen, den Wegfall der EEG-Umlage aufgrund der stark gestiegenen Preise schon im 2. Halbjahr 2022 umzusetzen. Dieser Beschluss ist zunächst nur bis zum Ende des Jahres befristet, wir können aber davon ausgehen, dass die EEG-Umlage langfristig wegfallen wird. So werden alle in Deutschland entlastet.

Unserer Meinung nach könnte die Regierung aber noch mehr tun, um Stromkunden weiter unter die Arme zu greifen. Andere EU-Länder haben zum Beispiel die Mehrwertsteuer auf Strom gesenkt, wie zum Beispiel Spanien von 21 auf 10 Prozent. Das macht einen sehr großen Teil der Stromkosten aus und entlastet die Bürger sehr.

stecker und rechner liegen auf einem tisch

Entwicklung des Strompreises an der Börse

 

Besonders in den letzten Monaten ist der Großhandelspreis an der Strombörse stark gestiegen. Schon zwischen Januar 2021 und Januar 2022 haben sich die Strompreise an der Börse um 40 Prozent erhöht, bis dahin der höchste Anstieg in den letzten Jahren. Vor allem seit Mitte 2021 sind die Preise an der Börse noch mal angestiegen, der Krieg in der Ukraine hat die Situation zusätzlich dramatisch verschärft.

Im Juni 2022 mussten Stromanbieter an der Börse im Durchschnitt 218 Euro für eine Megawattstunde Strom zahlen. Im Juni 2021 hat die Megawattstunde Strom im Vergleich nur 74 Euro gekostet. Das bedeutet einen Anstieg von fast 200 Prozent im Jahresvergleich.

Jetzt wissen wir, dass der Preis für Strom in den letzten 1 ½ Jahren massiv gestiegen ist, doch welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Für die momentane Entwicklung der Strompreise gibt es tatsächlich mehrere Gründe, die alle eine wichtige Rolle spielen und die gegenseitig aufeinander einwirken: die steigende Nachfrage nach Strom, die teure Stromproduktion aus Kohle und Erdgas, den Wettbewerb zwischen den Stromanbietern und die steigenden Netzentgelte.

Zunächst ist die Nachfrage nach Strom gestiegen. Nach den Lockdowns während der Corona-Pandemie hat die Industrie ihre Produktion wieder hochgefahren und benötigt nun mehr Strom. Auch Privatpersonen verbrauchen mehr Energie, zum Beispiel im Homeoffice. Mehr Nachfrage führt bekanntlich zu höheren Preisen.

Seit dem Herbst/Winter 2021/2022 sind die Preise noch einmal deutlich angestiegen, da ein großer Teil unseres Stroms (leider) immer noch aus Kohle und Erdgas gewonnen wird. Für diese Art der Energiegewinnung müssen CO2-Zertifikate gekauft werden, was die Erzeugung zusätzlich teurer macht. Besonders seit Februar 2022, dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, hat sich dieses Problem verstärkt, denn Deutschland ist einer der größten Abnehmer von russischem Erdgas.

Infolge der massiven Preiserhöhungen an der Strombörse ist der Wettbewerb zwischen den Stromanbietern um den günstigsten Preis aus dem Gleichgewicht gekommen. Viele Stromanbieter, die in der Vergangenheit besonders günstig Strom angeboten haben, sind mittlerweile insolvent. Dieses Schicksal hat um die Jahreswende viele Billigstrom-Anbieter ereilt, die darauf gepokert haben, dass sich der Börsenpreis nicht allzu stark erhöht. Nur wer eine schlaue und langfristige Beschaffungsstrategie verfolgt, navigiert sich und seine Kunden clever durch diese unsicheren Zeiten. Doch clever und vorausschauend ist leider nicht immer günstig.

Auch die Netzentgelte sind gestiegen, die etwa ein Viertel des Strompreises ausmachen. Was sind eigentlich Netzentgelte? Stromanbieter müssen den Betreibern des Stromnetzes eine Gebühr bezahlen, um das Netz nutzen zu dürfen. Dieses Geld investieren die Betreiber in den Netzausbau, um sich zum Beispiel besser für die Energiewende aufzustellen. Statt wenige große Kraftwerke werden immer mehr kleinere PV-Anlagen und Windräder ans Netz angeschlossen.

Das wird sich langfristig nicht nur umwelttechnisch, sondern auch finanziell lohnen, denn Strom aus Erneuerbaren Energien ist günstiger als zum Beispiel Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken. Aktuell ist der Netzausbau aber ein weiterer Faktor, der die Preise in die Höhe treibt.

Warum sind die Strompreise so stark gestiegen?

frau und mann rechnen mit taschenrechner und laptop

Wie haben sich die Strompreise in Deutschland seit 2000 entwickelt?

Wir haben uns in den vorherigen Abschnitten intensiv mit der Preissteigerung seit 2021 befasst. Aber wie sah die Strompreisentwicklung eigentlich vorher aus? Grundsätzlich kann man beobachten, dass der Preis für Strom seit 2000 ständig gestiegen ist.

Wir holen einmal etwas weiter aus: Seit dem Jahr 1998 kann jeder Verbraucher seinen Stromanbieter frei wählen. In der Folge ist die Anzahl an Stromversorgern explodiert, was die Preise nach unten gedrückt hat.

Nach dem historischen Tief von 13,94 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2000 geht die Entwicklung des Strompreises kontinuierlich nach oben. 2006 lag der Preis für Strom bereits bei 19,46 Cent pro Kilowattstunde, den größten Sprung machte die Preisentwicklung aber zwischen 2012 (25,89 Cent) und 2013 (28,84 Cent). Auch wenn es schon immer Preissteigerungen gegeben hat, sind die Entwicklungen in der Vergangenheit nicht mit dem rapiden Anstieg von 2021 auf 2022 zu vergleichen. Bisher gab es aber auch noch nie so viele außergewöhnliche Gründe, die den Preis nach oben bewegt haben.

strompreisentwicklung diagramm

Du fragst dich jetzt bestimmt, ob das ewig so weitergehen wird. Wie wird sich der Strompreis in Zukunft entwickeln?

Aktuell sieht es nicht so aus, als würden die Preise für Strom in naher Zukunft fallen. Doch auch die größten Reserven haben irgendwann ein Ende. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Strompreise für die Verbraucher in den nächsten Monaten zunächst noch weiter steigen werden.

Auch wir bei sparstrom gehören zu den Stromanbietern mit einer langfristigen Strategie und sitzen in der momentanen Situation zwischen den Stühlen. Einerseits können wir die Faktoren nachvollziehen, die zu Preissteigerungen führen, andererseits verstehen wir unsere Kunden, für die die hohen Preise eine enorme Belastung ist. Durch unsere langfristig ausgerichtete Beschaffungsstrategie können wir zwar einen Teil der Mehrkosten abfedern, aber leider nicht vollständig. Wir geben aber heute und in Zukunft immer unser Bestes, um für unsere Kunden den günstigsten Preis bei maximaler Sicherheit zu ermöglichen.

Leider lässt es sich noch nicht absehen, wann der Krieg in der Ukraine enden wird und wie die Bundesregierung die Gasversorgung im nächsten Winter und darüber hinaus sicherstellen kann. Aktuell laufen Gespräche, Atomkraftwerke länger als geplant zu nutzen und Kohlekraftwerke wieder vermehrt einzusetzen. Diese Maßnahmen sind offensichtlich sehr schlecht für die Umwelt, würden jedoch dabei helfen, den Strompreis kurzfristig zu stabilisieren.

Auf lange Sicht wird der Preis für Strom aber fallen, und zwar wenn wir es schaffen den Ausbau von Erneuerbaren Energien zu beschleunigen und unabhängiger von anderen Staaten in der Energiegewinnung werden. Ökostrom aus Solaranlagen, Wind- und Wasserkraft ist günstig, nachhaltig und mit der richtigen Speichertechnologie das ganze Jahr über verfügbar. Wenn wir jetzt die richtigen Weichen für die Zukunft stellen, wird uns das nicht nur preislich in Zukunft zugutekommen.

Entwicklung des Strompreises in der Zukunft

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