23. März 2023

Strompreis-Zusammensetzung: Die Bestandteile des Strompreises einfach erklärt

Wir erklären, wie sich der Strompreis zusammensetzt, was die einzelnen Bestandteile bedeuten und vergleichen den deutschen Strompreis mit Europa.

Lichterkette im Dunklen

Ein Beitrag von

Annika

annika fiedler

Das Licht ist an, die Kaffeemaschine läuft und der Föhn wird gerade eingesteckt – so sieht ein ganz normaler Morgen in vielen deutschen Haushalten aus. Strom ist überall und doch machen wir uns wenig Gedanken darüber. Außer wenn die Stromrechnung im Briefkasten landet. Dann fragst du dich vielleicht: Habe ich wirklich so viel verbraucht und wieso ist Strom eigentlich so teuer?

Um das nachvollziehen zu können, gucken wir uns einmal an, aus welchen Bestandteilen sich der Strompreis zusammensetzt, wie viele Steuern auf Strom gezahlt werden und wie Deutschland im europäischen Vergleich dasteht. Außerdem erklären wir, was der Strompreis eigentlich mit dem Gaspreis zu tun hat.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Der Strompreis in Deutschland setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: Beschaffungskosten, Netzentgelte sowie Abgaben und Umlagen. Wie groß der Anteil der verschiedenen Komponenten ist, unterscheidet sich von Jahr zu Jahr. Ein Beispiel: 2021 bildeten die Abgaben und Umlagen noch den größten Posten mit über 50%, heute sind es die Beschaffungskosten.

2023 entfällt der größte Teil des Strompreises auf die Strombeschaffung. Außerdem entstehen Kosten für den Vertrieb und diverse Serviceleistungen. Der Gesamtanteil der Aufwände für die Stromanbieter liegt bei ungefähr 54%.

Abgaben und Umlagen machen etwa 26% des Strompreises aus. Darunter fallen unter anderem die Stromsteuer, Umsatzsteuer und Konzessionsabgabe. Bis zum Sommer 2022 zählte auch die EEG-Umlage dazu.

Etwa 20% des Strompreises fließt an die Netzbetreiber. Dieses Geld wird genutzt, um Transport und Verteilung der Energie zu finanzieren und das Netz auszubauen.

Was danach noch übrig bleibt, ist der Gewinn für den jeweiligen Stromanbieter. Bei kommunalen Versorgern, wie zum Beispiel unserem Mutterhaus badenova, werden Einnahmen in der Regel wieder in der Region investiert.

Wie setzt sich der Strompreis 2023 zusammen?

Nun weißt du, aus welchen Bestandteilen sich der Strompreis zusammensetzt, doch wie genau sieht die Verteilung der einzelnen Komponenten im Jahr 2023 aus?

Laut BDEW lag der durchschnittliche Strompreis im Januar 2023 bei 48,12 Cent pro Kilowattstunde. Dieser Strompreis besteht aus den folgenden Posten:

Beschaffung und Vertrieb

25,84 Cent

Netzentgelte

9,22 Cent

Mehrwertsteuer

7,68 Cent

Stromsteuer

2,05 Cent

Konzessionsabgabe

1,66 Cent

Offshore-Netzumlage

0,59 Cent

§19 StromNEV-Umlage

0,42 Cent

KWK-Aufschlag

0,36 Cent

Messstellenbetrieb

0,30 Cent

Ein großer Anteil des Strompreises in Deutschland kommt durch Steuern zustande. Genau wie für andere Güter wird auch auf Strom eine Mehrwertsteuer von 19% gezahlt. Außerdem gibt es die Stromsteuer, die seit der Privatisierung des Strommarktes 1999 anfällt. Der Regelsatz beträgt 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Die Stromsteuer wurde ursprünglich eingeführt, damit Strom bewusster konsumiert wird. Ziel war es, den Verbrauch zu reduzieren, bis die Stromerzeugung vollständig auf erneuerbare Quellen umgestellt ist.

Neben den Steuern existieren noch weitere Abgaben und Umlagen. Die Konzessionsabgabe wird an die Stadt oder Kommune abgeführt, damit Straßen und Wege für den Betrieb von Stromleitungen genutzt werden können. Die Offshore-Netzumlage wurde implementiert, um Risiken bei der Anbindung von Offshore-Windparks an das Stromnetz abzufedern. Mithilfe der § 19 StromNEV-Umlage wird die Netznutzung stromintensiver Unternehmen finanziert. Die KWK-Umlage unterstützt die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme. Außerdem fällt ein kleiner Beitrag für den Messstellenbetrieb an.

Welche Steuern fallen auf Strom an?

Wird der Strompreis netto oder brutto angegeben?

Der Strompreis in Deutschland wird für Privathaushalte als Brutto-Betrag angegeben. Also sind alle Steuern und Abgaben schon mit einkalkuliert. Wenn du bei einem Stromanbieter einen neuen Tarif berechnest, kannst du davon ausgehen, dass darin schon alle oben aufgelisteten Preisbestandteile enthalten sind.

Frau und Mann schauen Fernsehen

Wie funktioniert der Stromhandel?

Der Handel mit Strom funktioniert ähnlich wie der Handel mit anderen Gütern auch. Es gibt Produzenten (Kraftwerke, Windräder, Solarparks, etc.) und Konsumenten, also alle Verbraucher:innen. Dazwischen steht das deutsche Stromnetz. Es besteht aus Leitungen, durch die der Strom transportiert wird. Dieses Netz leitet den Strom vom Erzeuger zu dir nach Hause, ins Büro, in Supermärkte und Co.

Egal, ob du Ökostrom beziehst oder Strom aus Atom- oder Kohlekraftwerken - alle Erzeugungsarten werden ins Netz eingespeist. Dadurch entsteht der so genannte "Strommix". Wenn sich viele Haushalte für Ökostrom entscheiden und insgesamt mehr davon produziert wird, wird der deutsche Strommix immer grüner und jeder Haushalt wird irgendwann mit Ökostrom versorgt.

Wie funktioniert die Strombörse?

Unser Strom wird an der Strombörse gehandelt. Je nach Angebot und Nachfrage steigt oder sinkt der Preis. Für den Stromhandel in Deutschland ist die EEX (European Energy Exchange) in Leipzig zuständig.

Wenn die vier größten Stromversorger in Deutschland (E.ON, EnBW, RWE und Vattenfall) mehr Strom produzieren, als sie verkaufen können, bieten sie die zusätzliche Menge an der Strombörse an. Wenn sie weniger Strom erzeugt haben als benötigt wird, kaufen sie an der Strombörse welchen dazu. Auch lokale Energieversorger und große Industrieunternehmen erwerben ihren Strom direkt an der Börse.

An der EEX werden zwei verschiedene Arten von Handel geführt. Einmal der Spotmarkt, auf dem Strom für denselben oder nächsten Tag gehandelt wird, und der Terminmarkt, bei dem Großkunden für mehrere Jahre im Voraus Strom einkaufen können. Dieser Kauf im Voraus garantiert den Unternehmen einen gleichbleibenden Strompreis.

Welchen Einfluss hat der Gaspreis auf den Strompreis?

Du fragst dich, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Gas- und Strompreis gibt? Die Antwort ist ja. Beide Preise sind aneinander gekoppelt, denn in Deutschland wird Strom zum Teil noch in Gaskraftwerken produziert. Wenn der Gaspreis steigt, steigen auch die Kosten für die Stromerzeugung.

Woher der Strom in Deutschland kommt, wird durch die Merit-Order geregelt. Die Merit Order besagt, dass die Stromproduzenten, die am kostengünstigsten Strom erzeugen, diesen zuerst einspeisen dürfen. Günstige Quellen wie Windkraft haben Vorrang, der Preis wird allerdings durch die teuersten Produzenten festgelegt, das sind aktuell die Gaskraftwerke.

Warum ist Gas günstiger als Strom?

Im Gegensatz zu Strom ist Gas kein Primärenergieträger. Jeder Haushalt benötigt Strom, aber nicht jeder Haushalt besitzt eine Gasheizung. Bei der Gaserzeugung gibt es einen intensiveren Wettbewerb unter den Anbietern als unter Stromproduzenten. Dadurch sind die Preise im Vergleich niedriger.

Familie in selbstgebauter Höhle im Wohnzimmer und Lichterketten

Wie hoch ist der Strompreis in Europa?

Im europäischen Vergleich zahlen die Deutschen mit am meisten für ihren Stromtarif. 2021 kostete eine Kilowattstunde Strom für Verbraucher:innen durchschnittlich noch 32,16 Cent. Im europäischen Durchschnitt zahlten Privathaushalte zur selben Zeit nur 22 Cent für eine Kilowattstunde.

Warum ist der Strom in Deutschland so teuer?

Woran liegt es, dass die Strompreise in Deutschland so hoch sind? Vor allem am großen Anteil der Steuern und Umlagen. Zum Vergleich: Im europäischen Mittel werden etwa 10% weniger staatliche Abgaben fällig als in Deutschland.

Dänemark und Belgien zählen zusammen mit Deutschland zu den Ländern mit den höchsten Strompreisen, während eine Kilowattstunde Strom in osteuropäischen Ländern wie Polen, Kroatien oder Bulgarien am wenigsten kostet. Dabei darf natürlich nicht außer Acht gelassen werden, dass Menschen im Norden und Nordwesten Europas im Durchschnitt auch mehr Geld zur Verfügung steht als in Süd- und Osteuropa. Aber selbst, wenn man sich den nach Kaufkraft bereinigten Preis anguckt, müssen deutsche Verbraucher:innen noch tiefer in die Tasche greifen als Bürger:innen anderer Länder.

Ein Licht am Ende des Tunnels gibt es aber: Je mehr Ökostrom erzeugt wird, desto günstiger wird der Strom insgesamt in der Beschaffung. Große Kraftwerke produzieren den teuersten Strom. Je mehr erneuerbare Quellen geschaffen werden, um den Strombedarf zu decken, desto niedriger wird der Preis.

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